Beim An- und Ausziehen helfen

Kleidung zu tragen, die dem eigenen Geschmack und den eigenen Vorstellungen entspricht, fördert bei uns allen das Wohlbefinden. Sich morgens an- und abends auszuziehen, kann zudem einem Tag Struktur geben.

Wenn möglich wählt die pflegebedürftige Person selbst aus, welche Kleidung sie anziehen möchte. Menschen mit Demenz erleichtern Sie die Auswahl der Kleidung, indem Sie nur jahreszeitlich passende Kleidungsstücke vorn sichtbar im Kleiderschrank unterbringen.

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Schuhe mit Klettverschluss oder zum Hineinschlüpfen können auch bei nachlassender Fingerfertigkeit allein an- und ausgezogen werden.

Unterwäsche sollte weder zu eng noch zu locker sitzen, vor allem wenn die Verwendung von Inkontinenzmaterial notwendig ist.

Weitere Hosen oder Röcke mit einem Gummizug oder einem vorn sitzenden Verschluss sind leichter zu handhaben.

Dehnbare Oberteile mit einem weiten Halsausschnitt oder einer kleinen Knopfleiste lassen sich leicht über den Kopf ziehen. Sie sind oftmals einfacher zu handhaben als Blusen oder Hemden.

Strickjacken lassen sich meist besser an- und ausziehen als Pullover.

Eine gute Passform, locker anliegende Bündchen und ein angenehmes Tragegefühl sind zentral für die Wahl der Socken oder Strümpfe.

Beim Wechsel der Kleidung unterstützen

Gelingt das An- oder Auskleiden nicht mehr allein, einigen Sie sich darauf, wobei und in welcher Form die Unterstützung für beide in Ordnung ist. Das spart Kraft und schafft Sicherheit für die notwendige Teamarbeit.

Je selbstständiger das An- oder Ausziehen bewältigt wird, desto besser. Das kann zwar länger dauern, trainiert jedoch die Beweglichkeit sowie Feinmotorik und stärkt die Eigenständigkeit.

Wie viel Hilfe notwendig ist, entscheiden das Wohlbefinden und die Tagesform. Einmal gelingt das An- und Ausziehen fast selbstständig im Sitzen und Stehen. Ein anderes Mal klappt es nur mit viel Unterstützung oder nur im Bett.

Was das An- und Auskleiden erleichtern kann

Anziehen im Stehen oder Sitzen

Im Bett: Oberbekleidung wechseln

Illustration von 2 Frauen, die jeweils in einem Sessel sitzen. Eine Frau liest in einem Buch, die andere eine Zeitung. Vor ihnen auf einem runden Tisch stehen Getränke und Gebäck.

Wir möchten Ihnen Inge und Helga vorstellen. Sie werden uns zeigen, wie es gelingen kann, im Bett die Oberbekleidung zu wechseln.

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Damit Helga aus dem linken Ärmel schlüpfen kann, beugt sie den linken Arm und versucht mit dem Ellenbogen möglichst nah an das Ärmelloch zu kommen. Inge hält dabei das untere Ärmelende fest und rafft mit der zweiten Hand den unteren Teil des Pullis Richtung Ärmelloch zusammen.

Helga schlüpft mit dem gebeugten linken Arm durch die Engstelle. Inge zieht zeitgleich am Ärmelende. So kann Helga den Ärmel komplett ausziehen.

Inge bittet Helga, sich etwas auf die rechte Seite zu rollen oder hilft ihr dabei. Dann rafft sie den Stoff auf der linken Seite zusammen. Durch die Seitenlage kann Inge den Pulli am Rücken nach oben schieben.

Helga rollt zurück auf den Rücken und Inge zieht ihr den Pulli über den Kopf. Das geht am besten, wenn Helga es schafft, den Kopf etwas anzuheben.

Anschließend rollt Helga auf die linke Seite. So kann Inge den Pulli über die rechte Schulter nach vorne ziehen.

Helga rollt wieder auf den Rücken und schlüpft aus dem rechten Ärmel. Vielleicht kann sie selbst am unteren Ärmelende ziehen. Falls die Kraft nicht reicht, übernimmt Inge das.

Das Ankleiden erfolgt in umgekehrter Reihenfolge mit mehreren rollenden seitlichen Bewegungen, um den Stoff am Rücken herunterzuziehen.

Im Bett: Hose wechseln

Wie Sie die Unterbekleidung wechseln, hängt von der Beweglichkeit und Kraft Ihres Gegenübers ab. Relativ einfach gelingt es, wenn es noch möglich ist, das Gesäß anzuheben und eine „Brücke“ zu machen. Anderenfalls helfen rollende Bewegungen. Inge und Helga zeigen Ihnen beide Möglichkeiten.

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Inge hilft Helga, die Hose zu öffnen. Helga beugt nacheinander die Beine und stellt die Füße auf die Matratze.

Helga gibt etwas Druck auf die Fersen, spannt das Gesäß an und hebt das Becken zur Brücke.

Nun kann Inge die Hose über Helgas Gesäß nach unten ziehen. Danach kann Helga das Becken wieder ablegen.

Inge streift die Hosenbeine von Helgas Beinen. Helga hebt dazu nacheinander die Beine an. Das Anziehen einer Hose erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Im Bett: Inkontinenzmaterial wechseln

Wenn die Kraft nicht reicht, um wie eben beschrieben vorzugehen, kann das Wechseln der Bekleidung oder auch von Inkontinenzmaterial über rollende Bewegungen erfolgen. Zugleich können Sie das Bettlaken oder eine Bettschutzeinlage austauschen.

Helga trägt aufgrund ihrer Inkontinenz eine Vorlage, die mit einer Netzhose gehalten wird. Inge demonstriert, wie das An- und Ausziehen funktionieren kann.

Illustration zweier Frauen. Die eine liegt auf dem Rücken im Bett. Sie trägt eine Netzhose. Die andere neben dem Bett stehende Frau zieht ihr das seitliche Bündchen der Netzhose herunter.
Inge zieht zunächst das Bündchen der Netzhose seitlich herunter. Sie bittet Helga anschließend, sich auf eine Seite zu rollen. Ggf. hilft Inge ihr bei dieser Bewegung.
Illustration zweier Frauen. Die eine liegt dem Betrachter zugewandt auf der linken Seite im Bett. Die neben dem Bett stehende Frau hat ihr die Netzhose auf der rechten Seite heruntergezogen.

Inge zieht die Netzhose auf der oben liegenden Seite so weit wie möglich herunter. Anschließend rollt Helga auf die andere Seite.

Illustration zweier Frauen. Die eine liegt dem Betrachter abgewandt auf der rechten Seite im Bett. Die neben dem Bett stehende Frau zieht ihr eine Inkontinenzvorlage nach hinten aus der Netzhose.

Jetzt kann Inge das Bündchen der Hose komplett herunterziehen und die Vorlage zum Gesäß hin herausziehen. Ggf. führt Inge eine Intimpflege durch.

Illustration zweier Frauen. Die eine liegt dem Betrachter abgewandt auf der rechten Seite im Bett. Die neben dem Bett stehende Frau zieht ihr eine Netzhose auf der linken Seite herauf.

Inge schiebt von vorn eine frische Vorlage in die Netzhose. Dazu bittet sie Helga, das oben liegende Bein etwas zu heben. Inge zieht dann die Netzhose auf der oben liegenden Seite wieder nach oben.

Illustration zweier Frauen. Die eine liegt dem Betrachter zugewandt auf der linken Seite im Bett. Die neben dem Bett stehende Frau zieht ihr das Bündchen der Netzhose auf der rechten Seite herauf.

Helga rollt anschließend zur anderen Seite, damit Inge auch dort das Bündchen der Hose hochziehen kann.

Nutzen Sie Bettschutzeinlagen. Diese gibt es als waschbare wiederverwendbare oder auch als Einmalartikel. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten dafür.

Wie Sie eine pflegebedürftige Person bei der Bewegung unterstützen können, erfahren Sie im BARMER Pflegecoach Thema „Bewegung wirksam unterstützen“.