Vom Boden aufstehen

Menschen mit Bewegungseinschränkungen meiden häufig Situationen, in denen sie sich unsicher fühlen. Sie können Angst vor bestimmten Bewegungen entwickeln und mit der Zeit beispielsweise das Treppensteigen oder das Aufstehen vom Boden verlernen.

Vor allem die Angst vor einem Sturz schränkt Menschen ein. Sie bewegen sich weniger, Kraft und Beweglichkeit nehmen ab und sie werden dadurch noch unsicherer. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden kann, wenn man Bewegungen übt und sich bewusst der Angst stellt.

Üben kann helfen

Es ist hilfreich, das Aufstehen vom Boden kontrolliert und in einer entspannten Situation zu üben und zu erproben. Das muss nicht allein geschehen. Sinnvoll ist es, dies gezielt beispielsweise bei einem Kinästhetik-Training zu üben.

Sich der Angst zu stellen und Bewegungen zu üben und zu verinnerlichen, stärkt das Vertrauen in die eigene Bewegungsfähigkeit.

Überlegen Sie einmal, wie Sie selbst auf den Boden gelangen und was Ihnen hilft, wieder aufzustehen. Vielleicht ist eine Unterlage für die Knie entlastend oder ein stabiler Stuhl zum Abstützen hilfreich. Es kann auch helfen, in Etappen vorzugehen und sich Zeit zulassen.

Michael übt das Aufstehen vom Boden

Michael sitzt auf dem Boden. Peter bittet ihn, die Beine anzuwinkeln und die Füße auf den Boden zu stellen.

Er fragt, zu welcher Seite Michael sich bewegen möchte. Dieser bewegt dann den Oberkörper nach links und setzt die Hände oder Unterarme dort auf dem Boden auf. So verlagert er das Gewicht des Oberkörpers. Peter kann helfen, indem er durch Berührungen am Bein oder Oberkörper die Bewegung unterstützt.

Mit einem Impuls am Becken kann Michael nun in einen Hand-Knie-Stand gelangen. Er stützt sich dazu mit den Unterarmen oder gestreckten Armen ab.

Durch Verlagern des Gewichts auf ein Bein kann Michael jetzt das andere Bein nach vorn bringen und den Fuß aufsetzen.

Wenn es aus dem Hand-Knie-Stand heraus schwerfällt, ein Bein nach vorn zu bewegen und den Fuß aufzustellen, kann ein Zwischenschritt helfen. Dazu könnte Peter einen festen Schaumstoffblock oder eine zusammengerollte feste Decke unter ein Knie schieben und damit die Kniehöhe auf der einen Beinseite verändern.

Michael kann sich jetzt auf seinem nach vorn gestellten Bein mit einem Arm abstützen und das Gewicht dorthin verlagern. So wird das andere Bein frei, und Michael kann sich aus dem Kniestand abdrücken und aufstehen.

Stellen Sie sich an strategischen Orten Gegenstände oder Sitzgelegenheiten bereit, die beim Aufstehen oder Abstützen helfen könnten. So kann eine Wasserkiste eine Zwischenebene darstellen, an der man sich hochziehen kann.

Nutzen Sie Angebote zur Sturzprävention. Einen entsprechenden Präventionskurs finden Sie über die BARMER-Kurssuche. Wählen Sie einfach das Thema „Bewegung“ an und geben Sie das Stichwort „Sturz“ ein.

Nach einem Sturz unterstützen

Ein Sturz kann ein einschneidendes Erlebnis sein. Am Boden liegend fehlt vor Schreck oftmals zunächst eine Idee, wie das Aufstehen gelingen kann. Und manchmal ist es auch besser, erst einmal liegen zu bleiben.

Ein Sturz kann Verletzungen verursachen, die nicht sofort sichtbar sind. Bevor Sie das Aufstehen unterstützen, prüfen Sie, ob es zu Verletzungen gekommen sein könnte. Wenn die gestürzte Person starke Schmerzen hat oder es sichtbare Verletzungen gibt, rufen Sie den Rettungsdienst und unterlassen Sie jeden Versuch zum Aufstehen.

Hocken Sie sich neben die gestürzte Person und versuchen Sie, Ruhe auszustrahlen. Überlegen Sie gemeinsam, wie das Aufstehen gelingen könnte. Holen Sie ggf. Hilfsmittel heran, wie einen Schaumstoffblock oder einen Stuhl.

Michael steht nach einem Sturz wieder auf

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Peter bittet Michael, sich am Boden aufzusetzen. Er gibt ihm Zeit, um in der sitzenden Position anzukommen und sich zu orientieren.

Er fragt, zu welcher Seite er sich bewegen möchte. Vielleicht zeigt er ihm, welche Seite das sein könnte. Michael bewegt den Oberkörper dorthin und setzt die Hände oder Unterarme auf dem Boden auf.

Wer sich in dieser Position befindet, kann sich oftmals selbst weiter aufrichten oder sich mit Händen und Füßen zu einem Ort begeben, an dem es weitergehen kann.

Michael kommt über den bereits vorgestellten Bewegungsweg über den Hand-Knie-Stand in den Stand. Aber nicht allen Menschen ist es möglich, sich in diese Position zu bringen.

Anders vom Boden aufstehen

Alternativ kann die am Boden sitzende Person vielleicht anders aufstehen. Möglicherweise hat sie genügend Kraft, um sich an zwei stabil stehenden Stühlen mit den Armen abzudrücken und auf einen niedrigen Hocker zu setzen.

Aus dieser leicht erhöhten Sitzposition kann sie vielleicht die Beine aufstellen und sich noch einmal mit den Armen abdrücken, um auf den Stuhl zu wechseln.

Wenn die Anstrengung dabei zu groß ist, kann das Hochdrücken auch in mehreren kleinen Schritten erfolgen. Dazu können Sie beispielsweise mehrere dicke Bücher einsetzen, die Sie der Person nach und nach unterschieben.

Tipps: Nach einem Sturz unterstützen

Wenn Sie das Aufstehen vom Boden anleiten, machen Sie die Bewegungen (wenn möglich) vor oder auch mit. Das kann mehr Sicherheit vermitteln.

Die BARMER-Broschüre „Wie vermeide ich Stürze?“ zeigt, wie Sie vorbeugen können.

Auf der Webseite der BARMER erhalten Sie praktische Tipps zur Sturzvermeidung.